Bekämpfung von Bläh- und Schwimmschlämmen

 

Wenn eine ursächliche Verhinderung der Bläh- bzw. Schwimmschlammbildung auf einer Kläranlage nicht gelingt, kann eine Desintegration der Schlämme vorgenommen werden. Das Ziel der mechanischen Zerkleinerung von Bläh- und Schwimmschlämmen stellt das Aufbrechen der Fadenstruktur dar. Damit wird der voluminösen Flocke ihre Stützstruktur aus fädigen Organismen genommen, Gasblasen werden freigesetzt, die kleineren Bruchstücke der Flocke können sedimentieren und die Bruchstücke können besser kompaktiert werden. Der Einsatz der Desintegration kann im Rücklaufschlammstrom erfolgen. Durch einen separaten Abzug des Schwimmschlammes läßt sich das zu behandelnde Volumen deutlich reduzieren. Der desintegrierte Schwimmschlamm kann zurück in die Belebung oder in den Faulbehälter geleitet werden.

Untersuchungen haben gezeigt, daß sich mit verschiedenen Zerkleinerungsgeräten deutliche Reduzierungen der mittleren Partikelgrößen von Schlämmen mit Absetzproblemen bis zu Werten wie für normale Überschußschlämme erzielen lassen [17]. Die dafür notwendigen Energien sind gegenüber den für den Zellaufschluß eingesetzten Energiebeträgen gering. Der Schlammvolumenindex von Blähschlämmen konnte erheblich verbessert werden und die Ausbildung von Schwimmschlamm deutlich vermindert oder gänzlich vermieden werden.

Durch die Desintegration lassen sich auch Schaumprobleme in Faulbehältern bekämpfen, die sich vielfach auf fädige Organismen aus dem Belebungsprozeß zurückführen lassen. In einem Batchversuch ist nach einer Faulzeit von nur einem Tag für die unbehandelte Schlamm­probe ein aufschwimmender Schlammvolumenanteil AVAFS = 100 % festzustellen (Abb. 1). Das bedeutet in diesem Fall, daß nicht nur der Schwimmschlamm aus der Belebung aufgeschwommen ist. Vielmehr wurde zusätzlich der Impfschlamm mit zum Aufschwimmen gebracht. Für die mit 100 bar im Hochdruckhomogenisator aufgeschlossene Probe stellte sich bei kurzen Faulzeiten ein AVAFS = 0 % ein. Bei einer Faulzeit von fünf Tagen steigt der Wert auf AVAFS = 40 %. Der Grund hierfür ist in der starken Gasentwicklung in dieser Zeit zu suchen. Dies wird deutlich an der ebenfalls dargestellten normierten Gasbildung pro Tag. Es zeigt sich, daß die Steigerung von AVAFS mit der maximalen zeitlichen Gasbildung zusammenfällt. Mit der Abnahme der täglichen Gasproduktion sinkt AVAFS sehr schnell ab.

 

Abb. 1: Aufschwimmender Schlamm­volumenanteil AVAFS im Batch-Faulversuch